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<title>DeCSS</title>
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<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p><b>DeCSS</b> ist ein <a href="Freie_Software" title="Freie Software">freies</a> <a href="Computerprogramm" title="Computerprogramm">Computerprogramm</a>, das in der Lage ist, den Inhalt einer <a href="DVD-Video" title="DVD-Video">Video-DVD</a> zu dekodieren, die mit dem <a href="Content_Scramble_System" title="Content Scramble System">Content Scramble System</a> (CSS) <a href="Verschl%C3%BCsselung" title="Verschlüsselung">verschlüsselt</a> ist.
</p><p>Die auf DeCSS basierende <a href="Programmbibliothek" title="Programmbibliothek">Bibliothek</a> <i><a href="Libdvdcss" title="Libdvdcss">libdvdcss</a></i> des französischen <a href="VideoLAN" title="VideoLAN">VideoLAN</a>-Teams wird heute von allen bekannten, <a href="Open_Source" title="Open Source">quelloffenen</a> DVD-Wiedergabeprogrammen wie <a href="MPlayer" title="MPlayer">MPlayer</a>, <a href="VLC_media_player" title="VLC media player">VLC</a> oder <a href="Xine" title="Xine">Xine</a> zur Entschlüsselung von DVDs benutzt.
</p><p>Der Dokumentarfilm Info Wars zeigt die Kontroverse um DeCSS.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Entwicklung">Entwicklung</h2></div>
<p>Der Grund für die später als <i>CSS-Hack</i> bekannt gewordene Entwicklung des Programms war ursprünglich die Unmöglichkeit, eine Video-DVD unter <a href="Linux" title="Linux">Linux</a>, <a href="BeOS" title="BeOS">BeOS</a> oder <a href="Berkeley_Software_Distribution" title="Berkeley Software Distribution">BSD</a> abzuspielen, obwohl die technischen Voraussetzungen gegeben waren. Zu dieser Zeit gab es keinen Software-DVD-Player für andere Betriebssysteme als <a href="Microsoft_Windows" title="Microsoft Windows">Windows</a> und <a href="MacOS" title="MacOS">macOS</a>, da man von Seiten der Industrie den Markt für Player auf freien Betriebssystemen als unbedeutend einschätzte, und die CSS-Technologie nicht für quelloffene Software lizenziert wurde.
</p><p><a href="Reverse-Engineering" class="mw-redirect" title="Reverse-Engineering">Reverse-Engineering</a>-Spezialisten verwendeten für ihre Versuche u. a. einen Software-DVD-Player der Firma Xing und extrahierten aus diesem seinen Player-Key, worauf die Firma Xing vom geballten Zorn der DVD-Industrie getroffen wurde, sie hätten ihren Player-Key nur ungenügend abgesichert. Als Gegenargument wurde genannt, eine Software müsse ihren Key zwangsläufig im Speicher halten und sei insofern gegenüber Angriffen anfällig. Andere Gruppen steuerten am 6. Oktober 1999 ein CSS-Modul und Authentication-Keys bei. An diesem Tag postete die Hackergruppe MoRE (<i>Masters of Reverse Engineering</i>), zu der auch der damals 15-jährige Norweger <a href="Jon_Lech_Johansen" title="Jon Lech Johansen">Jon Lech Johansen</a> gehörte, erstmals eine Ankündigung über ihre Software DeCSS, die innerhalb von einigen Sekunden die 408 Zugangsschlüssel „rät“, auf der <a href="Mailingliste" title="Mailingliste">Mailingliste</a> livid-dev. Ab dem 25. Oktober stand DeCSS auch im Quellcode unter der <a href="GNU_General_Public_License" title="GNU General Public License">GPL</a> zur Verfügung, und einige Hacker machten sich an eine <a href="Kryptoanalyse" title="Kryptoanalyse">Kryptoanalyse</a> von CSS, die zur Aufdeckung schwerwiegender Designfehler in CSS führte. Es wurden auch <a href="Illegale_Primzahl" title="Illegale Primzahl">besondere Primzahlen</a> gebildet, die zur Veröffentlichung geeignet waren und aus denen der Quellcode generiert werden konnte.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Bei DeCSS handelt es sich somit um ein Reverse Engineering zur Herstellung von <a href="Interoperabilit%C3%A4t" title="Interoperabilität">Interoperabilität</a>, das in den meisten Rechtsordnungen zum damaligen Zeitpunkt legal war (z. B. <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.gesetze-im-internet.de/urhg/__69e.html">§ 69e</a></span> UrhG). Mit der Herstellung von nicht autorisierten Kopien hat es nichts zu tun, da CSS diese gar nicht verhindert.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Rechtliche_Situation">Rechtliche Situation</h2></div>
<p>In Norwegen durchsuchte die Polizei die Wohnung des mutmaßlich an der Entwicklung von DeCSS beteiligten Jon Johansen und beschlagnahmte dessen Computerausrüstung sowie dessen Mobiltelefon, da er unvorsichtigerweise rückentwickelte Software unter seinem Realnamen gepostet hatte. Der Programmierer wurde nach einer Anzeige der CCA von der norwegischen Staatsanwaltschaft, die zwei Jahre Gefängnis und eine Geldstrafe forderte, für die Entwicklung des Programms angeklagt. Der Prozess endete im Dezember 2002 erstinstanzlich mit einem Freispruch, da Johansen einerseits nur die Benutzeroberfläche zu DeCSS geschrieben hatte und andererseits das Umgehen von Kopierschutzmaßnahmen für private Zwecke in Norwegen nicht strafbar ist. Der eigentliche Dekodier-Algorithmus in DeCSS kam von einem unbekannten MoRE-Hacker aus Deutschland. Der Freispruch für Jon Johansen wurde in zweiter Instanz bestätigt. Die Kläger verzichteten auf eine Berufung vor dem Obersten Gericht in Norwegen. Die beiden Instanzen sprachen den Norweger frei, da sie das Kopieren und Speichern von DVD-Filmen auf die eigene Festplatte für legal erachten.
</p><p>Die DVD Copy Control Association (CCA) verklagte auch die Betreiber von Websites, die DeCSS anboten, wegen Verstoßes gegen den Geschäftsgeheimnisschutz und die <a href="Motion_Picture_Association_of_America" class="mw-redirect" title="Motion Picture Association of America">Motion Picture Association of America</a> (MPAA) diese wegen Verstoßes gegen das Umgehungsverbot von Rechtekontrollsystemen nach dem damals <a href="Digital_Millennium_Copyright_Act" title="Digital Millennium Copyright Act">jüngst novellierten US-Copyright-Gesetz</a> von Websites. In einer ersten Entscheidung im Dezember 1999 lehnte es ein kalifornisches Gericht ab, eine einstweilige Verfügung gegen die Site-Betreiber zu verhängen. Doch im Januar 2000 revidierte der Richter sein Urteil. Auch ein Gericht in New York gab der MPAA-Klage gegen drei Websites statt. Im August 2000 entschied ein Bezirksgericht in New York, dass ein weiterer Webseitenbetreiber DeCSS nicht mehr zugänglich machen und auch nicht auf andere Sites linken darf, die es weiterhin anbieten. Im Mai 2001 ging das New Yorker Verfahren in die zweite Berufungsinstanz. Die Rektorin des Rechtsinstituts der <a href="Stanford_University" title="Stanford University">Stanford University</a> sprach sich darin für Redefreiheit und den Schutz gemeinfreier Güter aus.
</p><p>Die juristischen Angriffe gegen diejenigen, die DeCSS zugänglich machen, lösten eine Welle der Empörung aus. Rechtsgelehrte und Informatiker schalteten sich mit Expertisen gegen die Vorwürfe ein. Die Kosten der Verteidigung wurden von der <a href="Electronic_Frontier_Foundation" title="Electronic Frontier Foundation">Electronic Frontier Foundation</a> (EFF) übernommen, die durch die Klage das Grundrecht auf <a href="Freie_Meinungs%C3%A4u%C3%9Ferung" class="mw-redirect" title="Freie Meinungsäußerung">freie Meinungsäußerung</a> gefährdet sah. Unterstützung kam auch vom <a href="Berkman_Klein_Center_for_Internet_%26_Society" title="Berkman Klein Center for Internet & Society">Berkman Center for Internet and Society</a> der <a href="Harvard_Law_School" title="Harvard Law School">Harvard Law School</a>, das eine Gefahr darin sah, dass digitalisierte Inhalte auf diese Weise dem öffentlichen Diskurs entzogen werden.
</p><p>In Deutschland ist die Umgehung von <a href="Kopierschutz" title="Kopierschutz">Kopierschutztechnologien</a> (im Gesetzestext als <i>technische Schutzvorkehrung</i> bezeichnet) seit der Novellierung des <a href="Urheberrecht" title="Urheberrecht">Urheberrechts</a> vom 13. September 2003 gemäß <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.gesetze-im-internet.de/urhg/__95a.html">§ 95a</a></span> UrhG illegal, allerdings nur, wenn diese Technologien „wirksam“ sind und die Umgehung nicht ausschließlich zu Privatzwecken durchgeführt wird; nach geltendem Recht ist in Deutschland sowohl das Anbieten, die Verbreitung und die Verwendung von so genannter „Umgehungssoftware“ ebenso strafbar wie Anleitungen zur Umgehung eines wirksamen Kopierschutzes. Bei CSS handelt es sich um eine Schutzvorrichtung, so dass DeCSS nach deutschem Recht als illegal angesehen wird. Zweifel können allerdings an der Wirksamkeit bestehen, da der Mechanismus schon seit geraumer Zeit entschlüsselt ist. So entschied im Jahr 2007 ein finnisches Gericht, dass CSS nicht „wirksam“ im Sinne des finnischen Rechts sei<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>; letzteres beruht auf derselben <a href="Richtlinie_2001/29/EG_(Urheberrechtsrichtlinie)" title="Richtlinie 2001/29/EG (Urheberrechtsrichtlinie)">EG-Richtlinie</a> wie auch § 95a des deutschen UrhG, weshalb eine ähnliche Entscheidung in Deutschland möglich erscheint. Einstweilen wird jedoch davon ausgegangen, dass DeCSS gegen deutsches Recht verstößt. Vertreter der <a href="Musikindustrie" title="Musikindustrie">Musikindustrie</a> recherchieren nach entsprechenden Urheberrechtsverstößen im Internet und <a href="Abmahnung" title="Abmahnung">mahnen</a> vorgebliche Verstöße mit <a href="Streitwert" title="Streitwert">Streitwerten</a> von 50.000 bis 100.000 Euro ab. Trotzdem gibt es bis dato keine Urteile, da die Filmindustrie anscheinend nicht gegen die Masse der Privatanwender vorgehen will.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<ul><li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.cs.cmu.edu/~dst/DeCSS/Gallery"><i>Touretzky, D. S. (2000) Gallery of CSS Descramblers</i></a> (englisch)</li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://decss.zoy.org/"><i>42 ways to distribute DeCSS</i></a> (englisch)</li>
<li><style data-mw-deduplicate="TemplateStyles:r261891140">
/* start https://de.wikipedia.org/ */
.mw-parser-output .webarchiv-memento a{color:inherit}
/* end https://de.wikipedia.org/ */
</style><a rel="nofollow" class="external text" href="https://web.archive.org/web/20090620074030/http://www.defacto2.net/groups/dod/more+dod_decss.txt">Text von MoRE und der Gruppe DoD zum CSS-Crack</a> (<span class="webarchiv-memento"><a href="Webarchivierung#Begrifflichkeiten" title="Webarchivierung">Memento</a></span> vom 20. Juni 2009 im <i><a href="Internet_Archive" title="Internet Archive">Internet Archive</a></i>) (englisch)</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Belege">Belege</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text"><a rel="nofollow" class="external text" href="http://primes.utm.edu/glossary/page.php?sort=Illegal">Primes.utm.edu</a></span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.heise.de/newsticker/meldung/Finnisches-Gericht-haelt-DVD-Kopiersperre-fuer-unwirksam-133177.html">heise news: Finnisches Gericht hält DVD-Kopiersperre für "unwirksam"</a></span>
</li>
</ol>
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